Martin-Klub auf der Flucht

(15. Juni) Dramatische Entwicklung bei unseren Freunden vom Martin-Klub. Sie haben ihr Kinderdorf  teilweise verlassen. Hier die Nachricht der Leiterin:

„Guten Tag liebe Freunde,

Möchte Euch mitteilen, dass unsere Familien und unser Kinderdorf nach Dnepropetrovsk evakuiert wurden. Wir mieteten dort ein Haus und wohnen dort – unsere Sveta, Ira und Natascha mit Kindern, insgesamt sind wir 18. Noch eine Familie, Mutter mit 3 Kindern, blieb im Dorf, wo Olga ist, die nicht weg kann, da ihre Verwandten dagegen sind. Larissa blieb ebenso und gibt Verpflegungsrationen an Familien aus. Wir verblieben so, dass die Politik unsere Hilfe für die Leute nicht beeinflusst, soweit das möglich ist. Familien, die irgendwann einmal im MARTIN waren, helfen wir in Gebiete, die kriegsfrei sind, auszureisen.

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Aktuelles Ende Mai

Die Leiterin des Martin-Klubs hat mehrere Tage direkt mit Flüchtenden aus Slavjansk gearbeitet und berichtet in einer Mail an unseren Verein über deren Not. In der Mail heißt es weiter, dass die Menschen eingeschüchtert seien und die Kinder in kompletter Angst leben, bei jedem Laut – nicht nur von Bomben.

Aber im Gegensatz zu Donetzk und Slavjansk verschlechtert sich die Lage in unserem etwas abgelegeneren Kinderdorf im Moment nicht noch weiter.

Es leben jetzt 24 Personen im Kinderdorf, bisher max. 17. Eine Mutter mit 2 kranken Kindern aus Slavjansk konnte erst mal nicht weiter und ist dazugekommen, von den im April dazugekommenen 4 Kindern ist die Mutter gestorben. So ist das Leben ziemlich beengt und durch hohe Temperaturen von 35 Grad eingeschränkt. Auch kann man das Gehöft momentan kaum verlassen wegen der bewaffneten Patrouillen.

Solange nicht wirklich geschossen wird, ist die Evakuierung hoffentlich nur der letzte Ausweg.

Die materielle Lage im Dorf hat sich im Moment etwas gebessert. Durch Julenka-Spenden konnte wieder eine kleine Reserve gebildet werden. Auch von Freunden aus der Nachbarschaft kamen Lebensmittel.

Aktuelles vom 15. April

Martin-Klub Leiterin Viktoria schreibt in ihrem letzten Brief an uns über die aktuelle Lage in der Ukraine und im Kinderdorf:

In Donetzk sind die Polizeidienststellen und Rathäuser von Separatisten besetzt sind. Es gibt viele Zugereiste, welche die öffentlichen Plätze besetzen. Von ukrainischer Seite gibt es keine Gegenreaktionen.

Immerhin arbeiten die Banken noch, alles ist zwar teurer geworden, aber in den Läden gibt es noch Lebensmittel. Der Euro-Kurs hat sich verdoppelt, das ist aktuell gut: Die Spendengelder kommen wieder problemlos in ukrainischer Währung (Hrywnja) an.

Zum 1. Mai sollen alle Sozialarbeiter der öffentlichen Dienste entlassen werden, so ist eine schwierige soziale Situation zu erwarten.

Die große Hoffnung aller ist, dass es nicht zum Krieg kommt, was aber durchaus wahrscheinlich erscheint.

Im Martin-Klub versuchen sie, das gewohnte Leben aufrecht zu erhalten. Sie wollen erst weggehen, wenn tatsächlich Kampfhandlungen stattfinden. Die bereits so lange währende Angst und Vorsorge hat alle sehr ermüdet.

Im Dorf leben jetzt 18 Personen, darunter vier Babys im Alter bis zu 6 Monaten. Insgesamt sind 44 Personen vom Martin-Klub abhängig.

Vor kurzem wurden vier Kinder neu aufgenommen, deren Mutter todsterbenskrank im Krankenhaus liegt.

Die beiden schon lange im Martin-Klub wohnenden Geschwister lernen erfolgreich, der Bruder spielt seit kurzem in der Kirchenband Schlagzeug.

Alle beten für uns und schätzen unser Verhältnis und unsere Unterstützung.

gebet

Die Lage in der Ukraine und in „unserem“ kleinem Kinderdorf

Nachstehend geben wir einen Auszug wieder aus einer eMail der Leiterin des Martin-Klubs mit Gedanken über die Lage in der Ukraine und deren Auswirkungen auf die Arbeit und damit die komplette Sicherung des Weiterbestehens „unseres“ kleinen Kinderdorfes.

„Donetsk, 16. März 2014

Guten Tag liebe Freunde!

Vielen Dank für eure Sorge um den Martin-Klub.

Die Situation in der Ukraine, insbesondere bei uns in Donetsk, entwickelt sich nach einem sehr schlechten Szenarium und wir denken, uns erwartet eine in allen Beziehungen schwierige Zeit. Die Krim ist schon jetzt von russischem Militär eingenommen, heute fand die Imitation eines Referendums statt. Schon gestern, vor dem Referendum, haben alle Banken auf der Krim auf Rubel umgestellt. Die Leute werden belogen, Gesetze gebrochen. Die ökonomischen Folgen des Zerfalls des Landes sind unvermeidlich.

In Donetsk ist es sehr unruhig. Viele Leute sind depressiv und in Panik.
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