15 Jahre Martin-Klub – Teil 2: Rechtsschutz und Partnernetzwerk

Im Jahr 2009 schuf der Martin-Klub ein Menschenrechtsnetzwerk von Kinderzentren im Donbass, die ähnliche Organisationen aus Donetsk, Mariupol, Lugansk, Alchevsk und Sewerodonezk umfasste. Ein Rückblick, der von der langjährigen Martin-Klub-Mitarbeiterin Aljona Gorgadze-Kuznecova aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt wurde.In den Zentren konnten Kinder zum Teil auch mit ihren Eltern Zuflucht, Nahrung und Kleidung finden. Zusätzlich zu der üblichen Kinderfürsorge konnten sie auch juristische Hilfe bekommen. Es stellte sich heraus, dass ein großer Teil der Probleme von Kindern in schwierigen Lebensumständen auf dieser Ebene liegt: mal fehlten persönliche Dokumente, mal ging es um den Schutz der Eigentumsrechte. Zur gleichen Zeit eröffnete der Martin-Klub sein zweites Haus. „Kleine Mama“ wurde ein Zufluchtsort für Frauen mit Babys, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage waren, allein für ihre Kinder zu sorgen, sei es aufgrund einer Behinderung oder weil kein Lebensunterhalt verfügbar war. Junge Waisen, die während der Schul- oder Berufsausbildung ein Baby bekamen, hatten keine Chance sich nach der Entbindung selbst um ihr Kind zu kümmern – in einem Kinderheim oder Wohnheim ist es nicht erlaubt, mit einem Baby zu leben, und eine andere Unterbringung kann der Staat nicht bieten. So hat der Martin-Klub einen Ausweg aus diesem Teufelskreis gefunden: die Waisen sollen keine neuen Waisen in die Welt setzen – um jeden Preis wollte man für jedes Baby seine Mutter retten.

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2010 – an der Spitze der Aktivität: der Martin-Klub betreut ein Menschenrechtsnetzwerk von Kinderzentren im Donbass, versorgt die beiden Häuser „Kinderdorf “ und „Kleine Mama“ und veröffentlicht eine Zeitung. Die Zahl der Pflegekinder in den eigenen Familien der Mitarbeiter der Organisation wächst.

 

 

Forumtheater
Neben Straßenkindern gab es auch Straßentheater. Aktive kreative Jugendliche haben während des Trainings im Martin-Klub ein für die Ukraine neues Phänomen kennengelernt, das von den österreichischen Kollegen stammte. Forumtheater oder Theater der Veränderung. Sozialer Wandel. Das Bedürfnis war groß und junge, sozial aktive Menschen kamen aus verschiedenen Gebieten nach Makejewka, um zu lernen. Zu dieser Zeit befreundete sich der Martin-Klub mit anderen NGOs, die bis jetzt seine Freunde und Partner geblieben sind. Unter ihnen „Postup“ aus Lugansk, der nach dem Ausbruch des Krieges und dem Wegzug aus dem besetzten Lugansk zu einer mächtige Rettungsbewegung angewachsen ist. Heute heißen sie „Ost-SOS“ und retten die Bewohner der östlichen Regionen.
In einer kreativen Jugendumgebung wurden oft unkonventionelle Ideen geboren. Eine von ihnen war im Jahr 2002 das Stück „Die Welt von mir …“ Wenn man das alte Video der Einspielung heute ansieht, bekommt man Gänsehaut.
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Die Uraufführung fand in den Wäldern in der Nähe von Slawjansk statt. Dort, wo der Boden heute voller Mienen ist… Später wurde das Stück auf einer Straßenbühne vom zerstörten 2015 Debaltsevo gezeigt. Dann schien es, dass es sich um einen Krieg in den Seelen handelt, um den abstrakten „Frieden auf der ganzen Erde“. Aber die Zeit hat gezeigt, dass es eine Intuition, eine Prophezeiung war.

Berliner Mauer
Nach einer Reise des Sozialarbeiterteams des Martin-Klub nach Berlin im Sommer 2013 schrieb Victoria Fedotova in ihrem Blog über das schwere Gefühl der drohenden Katastrophe, welches sie an den Resten der Berliner Mauer spürte. Mitglieder der deutschen Partnerorganisation Julenka e.V. erinnerten sich an die Zeit, als Deutschland in Ost- und Westdeutschland geteilt war. „Man versucht gerade, die Ukraine ebenso zu teilen.“ Diese Worte klangen seltsam, es war schwer zu glauben, aber nach einem Jahr wurde dies zur Realität für Millionen von Menschen in gefangenen ukrainischen Städten. Jetzt arbeitet das Team des Martin-Klubs an zwei Hauptzielen: der Rettung von Menschen, die sich nicht wegen Trauma und Umsiedlung anpassen können, und Aufbau des kriegszerstörten Landes. „Wir werden ein neues soziales Haus öffnen. Dort werden wahrscheinlich nicht nur Kinder leben. Wir müssen den Jungen ohne Beine wieder das Laufen lehren“,- schrieb Victoria 2014. Diese Worte sind Wirklichkeit geworden. Mit der Erfahrung der psychologischen Arbeit sowie Methoden der Rehabilitation (wie zum Beispiel das Forumtheater, Kunsttherapie oder Sandart) ist der Martin-Klub bereits in der Wiedereingliederung von demobilisierten Soldaten tätig. Auch die bisherigen Tätigkeiten mit Waisen und alleinstehenden Müttern wurden nicht unterbrochen.

Als in den Städten des Donbass die aktiven Feindseligkeiten und die Verfolgung von Sozialaktivisten und protestantischen Kirchen begannen (und zu diesem Zeitpunkt gehörte der größte Teil des Teams einer Christevangelischen Gemeinde von Makejewka an), beschlossen wir, unsere Organisation zu evakuieren. Die meisten Mitarbeiter, darunter eine Familie mit fünf adoptierten Kindern, und die aktuellen „Kinderdorf“-Bewohner bereiteten sich auf die Flucht vor. Man konnte das nicht im voraus planen, und zumindest eine vorübergehende Unterbringung für sieben Familien zu finden wurde eine schwierige Aufgabe. Einige Zeit hatten wir uns in einem Bauernhaus in einem Dorf in der Nähe von Dnepropetrovsk eingenistet.

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Sommer 2014. Eine Umsiedlung ist kein Grund, keine Familienfeiertage mehr zu begehen. Manche Münder haben zum ersten Mal im Martin-Klub einen Geburtstagskuchen gegessen. Wir versuchten, die Normalität so weit wie möglich fortzusetzen.
Besonders dramatisch war, dass eine gesellschaftliche Organisation, die zusammen mit anderen Stiftungen und NGOs an der Evakuierung der Zivilbevölkerung aus den gefährlichen Zonen tätig war, selbst kein Zuhause hatte. Teammitglieder, die selbst auf den Koffern gesessen haben, arbeiteten 24-Stunden an der Rettungshotline. Das war vielleicht die schwierigste Zeit in der Geschichte des Martin-Klubs. Als der Stress sich ein wenig entspannte, war es das wichtigste, ein Gebäude als neues Heim für den Martin-Klub zu erwerben. Im November 2014 hat Victoria Fedotova in Facebook folgendes geschrieben: „Unser neues Sozialhaus heißt „Fäustling“. Es ist für die Menschen aus dem Osten, die aus verschiedenen Gründen weit von Zuhause weg sind. Manche Zimmer sind in unserem Zufluchtsort besetzt mit Mütter und Kleinkindern, die wir im Frühsommer aus dem Donbass evakuiert haben. Manche werden wir als Transiträume für Familien herrichten, die aus den besetzten Städten geflohen sind. Sie werden hier kostenlos Dach und Verpflegung für 1,5-2 Monaten finden, bis jemand von den Erwachsenen einen Job und eine andere Mietwohnung finden kann. Unsere Freunde aus Deutschland und den Niederlanden haben in dieses Haus investiert. Heute war ein schwieriger Tag, und am Ende kam ein klares Verständnis – das Leben muss weitergehen, egal was geschieht“.
Gleichzeitig begann der Martin-Klub zusammen mit der protestantischen Gemeinde von Dnipropetrovsk ein Projekt unter dem Namen „Ost-Förderung“, dessen Ziel es ist, die Umsiedler und Bevölkerung der besetzten Regionen zu unterstützen.

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Ein Post in Facebook: „Hinter diesem mit Bächen bedeckten Feld ist unser neues Heim, das erste in Dnipro. Es heißt „Fäustling“. Es bietet Wärme und Schutz für Kinder in Not. Und hinter dem Haus gibt es einen Fluss und einen Kiefernwald „.

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